burgbad AG folgen

Interview mit Designer Thomas Gerig

Pressemitteilung   •   Mär 09, 2019 11:05 CET

„Auf der Suche nach den zentralen Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer sind wir fündig geworden und haben mit Badu für burgbad eine einzigartige Liegebadewanne und ein neues, sicheres und entspanntes Badegefühl erfunden.“ Thomas Gerig

„Mit Badu haben wir eine einzigartige Liegebadewanne und ein neues, sicheres und entspanntes Badegefühl erfunden“


Genau hinhören und analysieren, was Kunden und Nutzer wirklich brauchen und benötigen – das hat Designer Thomas Gerig mit seinem Team für burgbad getan. Der Ergebnis von Bedarfs- und Produktstudie ist die freistehende Badewanne Badu, die ihren Nutzern mit ihrer patentierten ergonomischen Liegeposition die Entspannung liefern soll, die sie sich von ihrer Badewanne wünschen.


Sie haben für burgbad eine neue, freistehende Badewanne entworfen – kann man eine Badewanne eigentlich neu erfinden?

Thomas Gerig: Ein bestehendes Produkt lässt sich grundsätzlich nie neu erfinden. Man kann jedoch neu und ganz genau hinhören, was die Bedürfnisse der Nutzer und Nutzerinnen sind. Das haben wir mit einer Studie gemacht und 450 Personen in Deutschland zu ihren Gewohnheiten und Ritualen im Badezimmer befragt. 80% der Eigenheimbesitzer haben sowohl Dusche als auch Badewanne installiert. Dieser Umstand erlaubt es, die Badewanne von ihrer Doppelfunktion – duschen UND baden – zu entbinden und sie ganz auf das zentrale Bedürfnis der Entspannung auszurichten.

Muss denn eine Badewanne zum Entspannen andere Kriterien erfüllen?

Thomas Gerig: Ja, denn herkömmliche Badewannen wurden von ihrem Ursprung her ja gar nicht zum Baden konzipiert, sondern eher, um sich im Sitzen zu waschen. In denen kann man jedoch nicht entspannen. Der flache Wannenboden, die steilen Wannenwände und die glatte Oberfläche erlauben schlicht keine entspannte Liegeposition. Der Nacken wird am Badewannenrand abgestützt, was verunmöglicht, dass die Schultern tief genug in der Wanne sind, um vom Wasser bedeckt zu werden, und mit den angewinkelten Beinen wird zusätzlich abgesichert, dass das Gesäß nicht nach vorne rutscht. Im weiteren Verlauf unserer Konzeptarbeit für burgbad haben wir darüber nachgedacht, dass jeder Mensch auf zwei Sitzbeinhöckern sitzt und diese bei jedem ausgewachsenen Menschen – ungeachtet seiner Statur – in etwa die gleiche Maße haben. Basierend auf dieser Erkenntnis haben wir in sehr vielen Versuchen die ergonomische Form der Wanne erforscht und dabei die idealen Neigungswinkel eruiert.

Was ist das Besondere an Badu?

Thomas Gerig:Badu ist die erste Badewanne, in der man sich wirklich entspannen, das Baden genießen und bis zu den Schultern eintauchen kann. Ein ganz besonderer Effekt hat sich in der Entwicklungsphase gezeigt. Liegen beim Baden die Sitzbeinhöcker in der Vertiefung am Wannenboden auf, kann man sich total entspannen. Weil die Beine den Körper nicht mehr fixieren und ein Abrutschen verhindern müssen, beginnen sie im Wasser zu schweben, ein einzigartiges Gefühl. Ich erachte ein Produkt wie eine Badewanne als Werkzeug. Das Design soll dem Menschen dienen. Wenn sich Personen darin optimal entspannen können, haben wir unser Ziel erreicht. Viele Befragte verbinden mit ihrer bisherigen Badepraxis unangenehme Nachteile, wie nicht wasserbedeckte und somit kalte Schultern oder Knie und Verspannungen in Nacken und Beinen. In der Testphase wurde in der Werkstatt im Prototyp gebadet, was für das Entwicklungsteam nicht nur sehr aufschlussreich, sondern auch amüsant war.

Zudem ist Badu aus Mineralguss hergestellt: Mineralguss ist langlebig, ein guter Wärmespeicher, hat sehr gute Dämpfungseigenschaften, ermöglicht guten Schallschutz, weist eine gute chemische und mechanische Beständigkeit auf, und Korrosion ist kein Thema. Zudem ist Mineralguss umweltfreundlich und kann wiederverwertet werden.

Warum haben Sie eine organische Formensprache ohne Ecken und Kanten gewählt?

Thomas Gerig: Wie meistens bei schlichtem nachhaltigem Design folgt bei Badu die Form der Funktion. Die Neigungswinkel, die eine ideale Liegeposition erlauben, haben die Form vorgegeben. Als Referenz für den unteren Bereich dient eine ursprüngliche Wanne. Die Rundung des umlaufenden, in den Wannenrand integrierten Handlaufs ist einer inneren Handfläche nachempfunden. Der Rand ist einseitig abgesenkt, was ein sicheres Ein- und Aussteigen ermöglicht und gleichzeitig die einladende, muschelähnliche Wannenform betont. Diese Optik kann mit der Ausführungsvariante einer glatten Innen- und matten Außenseite zusätzlich unterstrichen werden. Badu verkörpert die Reduktion auf das Wesentliche und lässt dies in poetischer Anmut erstrahlen.

Haben Sie sich auch in Sachen Wartung und Montagefreundlichkeit Gedanken gemacht?

Thomas Gerig: Wenn ich von Nutzerbedürfnissen spreche, denke ich auch an die Leute, die das Produkt montieren werden. Da war es mir auch wichtig, dass ich den Installateuren nicht unnötig Steine in den Weg lege. Deshalb haben wir die Wanne so konzipiert, dass sie im Bad einfach platziert werden kann, dass die Anschlüsse durch eine Öffnung auf der Rückseite montiert werden können, die am Schluss mit einer diskreten Verkleidung verschlossen wird. Somit ist die Installation einfach und zeitsparend. Gleiches gilt für eine Revision. Dabei integriert sich diese Abdeckung zurückhaltend im Design. Neben den üblichen Stellfüßen für die Auflage auf Betonuntergrund ist optional eine Ausgleich-Platte für schwierige Untergründe erhältlich. Sehr gute Standfestigkeit ist dabei selbstverständlich gewährleistet.

Das Badezimmer wird immer mehr zum Lifestyle-Badezimmer. Sehen Sie dies auch so?

Thomas Gerig:Das Badezimmer ist nicht in erster Linie ein Statussymbol. Es darf selbstverständlich auch repräsentieren, sollte aber in erster Linie dem Nutzer dienen. Der durchschnittliche Nutzer verbringt gemäß der burgbad-Studie circa 40 Minuten pro Tag im Badezimmer. Wo die Dusche primär den Nutzen Reinigung und Erfrischung erfüllt, kommt die Wanne dem Bedürfnis nach Entspannung, aber auch nach Schmerzlinderung und Stressabbau nach.

Wie wird sich das Badezimmer weiter entwickeln?

Thomas Gerig:Das war auch ein Thema der burgbad-Studie. Mit der offenen Frage „Wie sieht ihr Wunschbad der Zukunft aus?“ konnten interessante Thesen von burgbad bestätigt und neue Innovationsfelder gefunden werden. Das Badezimmer der Zukunft entfernt sich bekannterweise immer weiter von der gekachelten Nasszelle hin zum vielfältig materialisierbaren Wohnraum. Nebst Komfort und Ästhetik dürfte das Hauptaugenmerk künftig der Minimierung des Aufwandes für Routinearbeiten gelten. Der Nutzer möchte stets ein sauberes, hygienisches und ordentliches Badezimmer antreffen – auch wenn Minuten davor jemand anders das Badezimmer benutzt hat.

Im Bad möchte man sich wohlfühlen. Entspannung kann aber nur ohne jegliche Störungen stattfinden. Das Bad ist schließlich ein Me-Time-Ort. Daher werden notwendige Routinearbeiten im Bad wie beispielsweise Reinigung und Ordnung halten zukünftig stärker thematisiert werden.


Vita Thomas Gerig

Thomas Gerig, geboren am 11.3.1970, ist ein Schweizer Erfinder, Innovationsmanager und Industriedesigner sowie Inhaber der von ihm gegründeten Gerig Design AG. Nach einer Berufsausbildung als Schriften- und Reklamegestalter und einer Lehre zum Schreiner studierte er in den Fachbereichen Bautechnik, Kommunikationsdesign, Marketing, Management, Berufsbildung sowie Industrial Design und Innovation mit Abschluss an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und der Hochschule Luzern – Architektur und Technik.

1993 gründete er die Gerig Design AG. Das Unternehmen berät Start-ups, kleine und mittelständische Unternehmen aber auch Weltmarktführer in den Bereichen Design Strategy, Industrial Design und wurde bereits international ausgezeichnet. Kunden der Gerig Design AG sind u. A. die Burgbad GmbH, Softrail Medical AG, Talsee AG, Rutishauser AG und Nestlé. Das Unternehmen fokussiert sich auf die Bereiche Invention, Innovation, die Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen und entwickelt hier umfassende Innovations-Konzepte. Dabei wird der Analyse der Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen besondere Beachtung geschenkt. Neben seiner Tätigkeit als Designer und Consultant war er von 2002 bis 2013 Dozent an der Schule für Gestaltung Zürich und St. Gallen, die er von 2009 bis 2013 leitete. Neben der Bearbeitung komplexer Innovations- und Designprozesse moderierte und führte er auch einige Change Management- und Turnaround Projekte im designstrategischen Bereich.

Burgbad, deutscher Hersteller von Möbeln und Ein­richtungskonzepten für das Bad, wurde 1946 im westfälischen Bad Fredeburg gegründet. Seit 2010 ist das international agierende Unternehmen mit Produktionsstandorten in Bad Fredeburg, Greding, Lauterbach-Allmenrod sowie im französischen Nogent le Roi 100%ige Tochter der ECZACIBASI­-Gruppe. Die Marke burgbad bietet unzählige kreative Lösungen zur Verwirklichung von individuellen, stilsicheren Bädern in hoher ästhetischer und technischer Qualität. www.burgbad.com